Auf den Hund gekommen

Auf den Hund gekommen

Dürfen wir vorstellen? Das ist „Timba“! Unser neues Familienmitglied. Seit fünf Wochen ist er nun bei uns und stellt unser Leben mal so richtig auf den Kopf. Wenn wir versucht haben, trotz des Lockdowns, Homeoffice & Homeschooling alles unter Kontrolle zu halten: Haus und Hof sauber halten, genug Schlaf bekommen, unsere Projekte nach vorne bringen, ein Buch zu schreiben, Theaterstücke lernen und in diversen Meetings auf Zoom eine gute Figur machen, so ist das in diesem Moment, als der kleine pelzige Vierbeiner durch die große rote Eingangstür unseres Hauses hineinspazierte vorbei gewesen.

Es kam mir ein bisschen so vor, wie die „guten Vorsätze“ die man sich in der Silvesternacht verspricht und spätestens am nächsten Morgen, wenn das neue Jahr angebrochen ist, wieder „Schnee von gestern“ sind.
Das ist der Grund, warum ich Verfechter solcher Rituale geworden bin.

Wenn ich ehrlich bin, so bin ich durch und durch Künstler. Für einen Künstler ist ein gewisses Maß an Chaos lebensnotwendig. Wie heißt es doch so schön: „Durch Chaos entsteht Kreativität!“, nicht wahr. Ein Haus kann perfekt sein. Architektur und Möbel passen zu Besitzer, wie das Auto oder der Hund.

Unser Haus ist nicht perfekt. Es ist alles andere als das. Aber unser Haus haben wir mit unseren eigenen Händen renoviert. (Lag am Lockdown – Zugegeben Wir haben es umgebaut, angemalt, verschönert. Neue Wände, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Garten und Garage. Hätte mir das einer vor ein paar Jahren prophezeit, dass ich als Handwerker fast zwei Jahre an einem Haus herumbasteln würde, den hätte ich sicher für komplett duschgeknallt und verblödet gehalten. Gib mir Stift und Papier und lass mich schreiben, malen oder Texte lernen! Lass mich bloß mit diesem Handwerkerkram zufrieden, hätte ich womöglich gesagt.

Das ist sicher auch der Grund, warum unser Haus nicht perfekt ist. Es hat seine Eigenheiten. Ich weiß, welche Tür etwas schief hängt, welche Scheuerleiste demnächst abfallen wird. Welche Wand sich nicht eignet, um Bilder oder ähnliches aufzuhängen. Im Garten sind Bäume, die ich umgesetzt habe, die sich an ihrem neuen Platz noch nicht richtig „eingelebt“ haben. All diese Dinge weißt Du erst, wenn du sie gemacht hast. Aber was hört man im Radio „Respekt, wer es selber macht“. Ich bin wie gesagt kein Handwerker, aber Autodidakt, YouTuber (Endverbraucher–Tutorials vor allem ) und Künstler. Alles hat einen gewissen Charme, weil es mehr einer künstlerischen Interpretation gleicht, als einer fachmännischen Meisterleistung.

Alice ist da … ganz anders! Das bring auch den Gewissen Esprit in den Lockdown.

Seit Timba mit seinen 11 Wochen durch unsere große rote Haustür stolperte. Dieser kleine Teufelsbraten hat es in sich. Und deshalb lieben wir in so! Er ist nicht zu bremsen und schlau wie ein Fuchs.

Dieser kleine Kerl, der gerade zu meinen Füßen liegt, während ich hier – um sechs Uhr morgens – in meiner kleinen Schreibstube sitze, die Sonne aufgehen sehe und noch ein leichtes Schnarchen aus den Schlafzimmern des Hauses höre, denkt er sicher gerade darüber nach, was er als nächstes aushecken kann.

Knochen im frisch gesäten Rasen verbuddeln, einen kleinen See auf dem Fußboden hinterlassen, um gleich mal ein bisschen Schwung in die Bude zu bekommen (funktioniert immer) oder unsere Schuhe im Garten verteilen. Das macht großen Spaß. Für uns ist es wie Ostereier suchen. Mehrmals die Woche.

Timba hat das Chaos in unser Haus zurückgebracht. Es erfordert Geduld und eine große Lust an Improvisation. Nichts ist „einfach mal schnell“ zu machen. Es muss alles koordiniert und abgesprochen werden. Eine Situation, die Alice oft an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt. Während ich darüber Lache, steht bei meiner geliebten Frau alles Kopf. Ich liebe es, wenn sie dann so verzweifelt ist, dass sie ihn zwar dafür schimpft, was er angestellt hat, ihn aber gleichzeitig vor lauter Liebe nicht loslassen kann. Für Alice ist das ein großer Schritt in Richtung Künstlerleben. „Sie lernt durch ihn Gelassenheit“.

Es ist uns auch völlig klar, dass Timba uns ausgesucht hat. Nicht andersherum. Nach diesen fünf Wochen ist uns ganz eindeutig bewusst, dass er zu uns kommen musste. Es war sein Schicksal! Unser unseres! Egal wie, jetzt sind wir unzertrennlich. Vielleicht ist Timba UNSER Kind, was wir mit unseren sieben Kindern aus anderen Ehen gemeinsam haben. Das Problem an der Nummer ist nur, dass diese kleine Fellnase nie erwachsen wird.

Er hält uns jung! Dafür bekomme ich nicht genug Schlaf und fühle mich noch wie vom LKW überfahren. Dennoch ist es schön, morgens so früh aufzustehen und den kleinen Kerl zu erleben, wie er sich jeden Tag aufs Neue freuen kann. Wir können so viel von Tieren lernen. Sie zeigen uns, wie verkrampft wir sind.

Der Corona Hype

Ich staune jeden Tag beim Gassi gehen, wie viele Hunde in unserer Nachbarschaft leben. Manche Menschen haben zwei Autos. Hier in Berlin hat man nicht einen Hund, sondern zwei. Auch wenn man selbst schon fast gar nicht mehr laufen kann. Die Hunde laufen durch den Wald und machen ihr Geschäft. Die Besitzer denken oft gar nicht daran, den Mist wieder weg zu machen. Das geht mir ziemlich auf die Nerven. Das ist ein Punkt, den ich überhaupt nicht verstehen kann. Selbst die Hunde müssen sich selbst immer wieder neue Routen ausdenken, dass sie nicht über ihren eigenen Haufen stolpern. Das ist eine Sache, die ich nicht verstehe.

Aber so sind die Menschen. Sie sind auch in der Lage, die Welt, in der wir Leben und in der unsere Kinder aufwachsen, innerhalb von 80 Jahren zu zerstören, was die Natur in 500 Jahren aufgebaut hat. Da fragt man sich manchmal, wer ist da schlauer? Der Hund, oder der Mensch?

Während des ersten Lockdowns gab es in Berlin einen „großen Run“ auf die Tierheime. Sie wurden förmlich ausgeräumt. Plötzlich hatten alle Haustiere. Sie holten sich alles, was Fell und Beine hatte, um in dieser fordernden Zeit nicht alleine zu sein. Ob die Tiere das nun gut finden, oder nicht.

Immer wieder kann ich beobachten, wie Hunde durch den Wald gezerrt werden. Sportler, die die Hunde an der Leine mit den Elektrorädern durch die Straßen sausen, als gäbe es keinen Morgen mehr. Was ist bloß los mit den Menschen. Sind die denn alle verrückt geworden? Ich habe sogar Menschen mit Katzen an der Leine gesehen. Mir kommt nur eines in den Sinn. Die Menschen drehen durch! Ehrlich!

Hat uns nicht das letzte Jahr gezeigt, wie wichtig es ist unser Leben zu endschleunigen. Klar! Wir hatten keine andere Wahl. Dennoch bin ich der Meinung, dass uns diese Zeit doch ganz klar gezeigt hat, was für uns existenziell wichtig und was unwichtig ist. Also, uns geht es so. Wir sind dankbar für diese Zeit und diese Erkenntnis. Und ist es nicht umso erstaunlicher, wie sich die Natur verändert hat, während unser Leben so eingebremst wurde. Wir sehen wieder klare Seen, Meere und Delfine, die in den Kanälen von Venedig schwimmen.

Plastik in den Meeren, Wasser wird knapp und die Pole schmelzen. Ich weiß das alles und das macht mir große Sorgen, nicht falsch verstehen. Aber wenn wir sehen, was passieren kann, wenn wir unser Leben etwas runterfahren, dann macht dieser Tatsache doch Mut zu Veränderung, oder?

Also in diesem Sinne. Ich gehe jetzt mal ne Runde Gassi …

Ich wünsche Euch einen schönen Tag,

Eurer

Hardy